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Hallo Realität, komm doch herein!

Kennt ihr das? Manchmal sitze ich in einer freien Minute so da, lasse die Gedanken schweifen und werde von der Realität erschlagen. Ich setze mich aktiv für Tiere, Menschen und den Planeten ein, lebe seit vielen Jahren vegan und so nachhaltig wie mir möglich. Aus gutem Grund!

Leider beschäftigen sich viele Menschen noch nicht ausreichend mit der Thematik oder entscheiden sich gar bewusst gegen das Tierwohl und die Umwelt. Da steht die eigene Gewohnheit über dem Leben von fühlenden, sozialen Tieren, die zu reinen Produkten degradiert werden. Die Zahlen sind einfach abartig: Jedes Jahr sterben 72 Milliarden (72.000.000.000) Landtiere und 1,2 Billionen (1.200.000.000.000) Meerestiere für den Menschen. Zum Vergleich: Unsere gesamte menschliche Spezies beläuft sich auf 7,89 Milliarden Individuen.

Viele Menschen verurteilen die Massentierhaltung, kaufen jedoch unbewusst zahlreiche Produkte aus genau dieser Haltungsform: TK-Pizzen, Pasta-Saucen, abgepackter Käse, Milch, Salami, Fertigprodukte u.v.m. Ebenso beziehen die wenigsten Restaurants und Imbisse ihre Produkte vom Bio-Landwirt aus dem Nachbardorf. Gleichzeitig projizieren Aufdrucke wie Bio und Tierwohl eine falsche Vorstellung bei den Kund*innen: Regelmäßige Zwangsschwängerungen, Schlachtung von Neugeborenen und Jungtieren, Verstümmelungen, Gaskammern und viele weitere Grausamkeiten sind fester Bestandteil aller gängigen Haltungsformen – auch in deutschen Bio-Höfen mit höchstem Tierwohl-Siegel.

Währenddessen werden die Meere überfischt, unzählige Lebewesen inklusive Delfine und Wale als Nebenfang getötet, komplette Ökosysteme verschmutzt und durcheinander gebracht. In Zoos, Aquarien und Delfinarien verkümmern Tiere fernab ihrer Heimat, ihrem Sozialgefüge entrissen, unter artfernen Bedingungen, in Gefangenschaft – alles nur zu Belustigung der Menschen. Von den Grausamkeiten der Pelz und Lederindustrie sowie Tierversuchen muss ich gar nicht erst anfangen.

Eine ausgewogene, gesunde, umweltfreundliche, super leckere und günstige Ernährung ist problemlos ohne Tierprodukte möglich, man muss sich nur dafür entscheiden und kurz ein wenig informieren; Wer seine gewohnten Gerichte nicht missen möchte, wählt einfach ein veganes Ersatzprodukt. Super easy. Gleiches gilt für Mode und Pflege: Muss es wirklich echtes Leder sein? Was haben Tierprodukte in einer Zahnpasta verloren? Warum müssen Tiere ständig als Versuchsobjekte herhalten? Und wie trägt bitte schön ein gefangener Orca mit antrainierten Kunststücken als Untertan der Menschen zu mehr Respekt für die Tierwelt bei? Es gibt mittlerweile genügend Firmen, die sich genau diese Fragen stellen und vernünftige Produkte anbieten.

Selbst wer dem Leid unserer intelligenten, fühlenden, sozialen Mitbewohner*innen völlig empathielos gegenübersteht, kann die wissenschaftlichen Erkenntnisse schlichtweg nicht ignorieren: Der Mensch-gemachte Klimawandel schreitet spürbar voran, kostet jetzt schon unzählige Leben und Euros, und droht uns die Lebensgrundlage zu entziehen: Überschwemmungen, Dauerbrände, Artensterben, Ernteausfälle, unbewohnbare Zonen, Klimaflüchtlinge, Massensterben. Die sogenannte Nutztierhaltung spielt dabei einen wesentlichen Faktor, gemeinsam mit der Automobilindustrie, Flugreisen, fossiler Energiegewinnung und unserem ausgearteten Konsumverhalten. Grund genug für einen Kurswechsel: für uns, für nachfolgende Generationen und alle Bewohner*innen unserer schönen Erde.

Nichts da! Die wenigsten wollen sicherlich die Welt brennen sehen, doch neue Gewohnheiten oder gar Einschränkungen gehen vielen dann doch zu weit. Die Politik hat das Thema zwar auf dem Schirm, scheut sich aber vor einem drastischen Kurswechsel. Der Spagat zwischen Wählbarkeit und tatsächlichen Klimaschutz ist definitiv nicht leicht – es muss schließlich die breite Bevölkerung mitmachen; aber in Anbetracht der ernsten Lage ist es mehr als fatal. Der Zeitpunkt für halbe Sachen ist schließlich nach wissenschaftlichen Konsens schon lange überschritten. Es gibt nur zwei Optionen: Erde retten, ja / nein. Echter Klimaschutz bedeutet nicht Verzicht, sondern Chancen wahrzunehmen. Investitionen sind kein Verlust, sondern langfristiger Gewinn. Und, achja, es geht um den Planeten auf dem wir alle leben.

Doch damit nicht genug, die Absurdität kennt keine Grenzen: seien es religiöse oder ideologische Fanatiker, die so tief in ihrer Bubble stecken, dass eigenständiges Denken und wissenschaftlicher Konsens als Schwäche gelten; Gerichtsurteile, die Frauen das Recht über ihren Körper absprechen und ungewollte Schwangerschaften aufzwingen; Menschen, die sich von Gleichberechtigung bedroht fühlen, und Cis-Personen, die sich lautstark über das Sexualverhalten und gewählte Geschlecht ihrer Mitmenschen echauffieren! Ein kurzer Blick in die Nachrichten offenbart die alltäglichen Abgründe: Diktaturen, Kriege, Vergewaltigungen, Ausbeutung, Folter, Hass, Gewalt, Hetze und so vieles mehr. Nicht hin und wieder irgendwo, sondern überall und jederzeit. Die Würde des Menschen ist unantastbar? Die Grausamkeit des Menschen ist unfassbar!

Ei ei ei, es gibt verdammt viele Probleme und Unstimmigkeiten, trotzdem sieht sich der Mensch stets als Meisterwerk der Evolution. Wir sind jedoch nur eine von vielen Spezies und in den meisten Belangen anderen Arten weit unterlegen: Sei es Geschwindigkeit, Ausdauer, Stärke, Robustheit, Kommunikation, Anpassungsfähigkeit, Empfindsamkeit, Sozialverhalten oder abgefahrene Wunder wie multiple Gehirne und Herzen, Echtzeit-Tarnmodi, Sonar-Wahrnehmung in völliger Dunkelheit, Manipulation der Umwelt durch Schalldruck, Regeneration ohne Schlaf, lebende Steine, symbiotische Lebensformen, Millionen Jahre alte, unsterbliche Organismen und vieles mehr. Die Artenvielfalt auf unserem Planeten ist abgefahrener als alles was die Science-Fiction hervorgebracht hat.

Unsere große Errungenschaft ist die Fähigkeit, unser Handeln zu reflektieren und riesige Gesellschaften auf Basis von abstrakten Konzepten zu gründen. Sollten wir diese Gabe nicht eher dazu nutzen, uns als Teil eines globalen Ökosystems zu sehen, unsere Mitbewohner*innen zu respektieren, unseren Planeten und damit das unglaublich vielfältige und faszinierende Leben zu schützen, anstatt im ewigen Hamsterrad des Kapitalismus dem nächsten Konsumgut hinterher zu jagen? Ich gebe jedenfalls die Hoffnung nicht auf und nutze meine Zeit um aktiv Leid zu verhindern, Leben zu retten, auf Missstände hinzuweisen und die Faszination des Lebens zu genießen.

Jede*r kann Aktivist*in sein, auch du!

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